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Altenburg.
Der 1. FC Altenburg war
bekannt
für seine gute Nachwuchsarbeit. Insgesamt sechs Teams standen
in der
jeweiligen Altersklasse im
Punktspielbetrieb
die D-Junioren
spielten
sogar in der Bezirksliga.
Aber das ist Vergangenheit. Denn das
Tischtuch
zwischen Nachwuchsabteilung und Vereinsführung ist zerschnitten,
100 Sportler, darunter fast
90 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen
vier und 17 Jahren, sind zu
Aufbau
Altenburg übergetreten. Auf
dem ersten Blick scheint es eine Bagatelle
zu sein, die zu dem Zerwürfnis geführt hat. Die Vereinsleitung
füllte nicht die obligatorischen Statistikbögen
aus, die an den Kreis- und
Landessportbund gehen und in denen
unter anderem über Mitgliederstärke und Beitragseinnahmen
Rechenschaft abgelegt werden muss.
Horst Gerth, Geschäftsführer
des
hiesigen KSB, bestätigt das. "Diese
Statistiken abzugeben gehört zu
den
im Statut festgeschriebenen Pflichten
eines jeden Mitgliedsvereines." Und das nicht nur, um weitere Aktenberge zu
produzieren. "Da hängt auch die pauschale
Versicherung dran, durch die jeder
aktive Sportler in einem Mitgliedsverein
abgesichert ist. ," Keineswegs
habe man den 1. FC Altenburg gleich
die Pistole auf die Brust gesetzt,
als der erste Abgabetermin Anfang
Januar nach drei Monaten verstrichen
war. ,;Wir haben mehrfach neue
Termine gesetzt und später natürlich
auch ernsthaft gemahnt", so Gerth. Aber es tat sich nichts. Vereinschef Thomas Wagner habe immer wieder beteuert, der Pflicht nachzukommen, was dann
aber nicht geschah. Letztendlich sah
sich der KSB gezwungen, ein letztes
Ultimatum zu setzen, das am 31.
März abläuft. "Passiert bis dahin nichts, ist der 1. FC Altenburg nicht mehr Mitglied im Kreis- sowie Landessportbund einschließlich aller daraus resultierenden
Rechte und Pflichten", so Gerth.
Peter Köster, langjähriger Nachwuchstrainer beim 1. FC und
einer der Initiatoren des Massenübertritts, scheint
noch immer nicht recht zu fassen, was da eigentlich passiert ist. "Es ist nicht nur für mich unbegreiflich, was sich da bis zum Eklat hochgeschaukelt
hat", meinte er. Nein, dreckige Wäsche
wolle er in der Öffentlichkeit nicht waschen. Aber die Arbeit des 1.FC-Vorstands, den er offen als "Zweimannbetrieb" der Brüder Wagner bezeichnete, scheint recht undurchsichtig zu sein. "Es gab zwar immer mal Diskrepanzen, aber die Nachwuchsabteilung hatte trotzdem eine gute Unterstützung."
Bis Ende Februar. Als die
Jahreshauptversammlung
am 28. Februar angeblich aus terminlichen
Gründen um eine Woche verschoben
wurde, ahnten die FC-ler noch nichts
Schlimmes. "Doch bei dieser Sitzung
wurde uns kurz und knapp mitgeteilt,
dass der Nachwuchs ab sofort den Spiel-
und Trainingsbetrieb einstellen müsse,
da kein Versicherungsschutz mehr bestehe", so Köster. Es folgte ein "nächtliches
Krisenmanagement", um dem Nachwuchs eine sportliche Perspektive zu erhalten. Horst Gerth, der diesen Vorfall als bislang einmalig in Thüringen bezeichnet, wurde spätabends um Hilfe angerufen. Er konnte drei Möglichkeiten einer neuen sportlichen Heimat offerieren: Medizin oder Aufbau Altenburg
sowie eine gänzliche Neugründung
eines Vereines. Letztendlich blieb
Aufbau Altenburg, wo es auch eine
Fußballabteilung gibt. Aufbau-Chef Heiko Pohle hätten nach
dem Telefonat an jenem späten Freitagabend
"die Haare zu Berge gestanden". Denn
es sei doch schlichtweg "ein
Unding", fast 90 Kindern
handstreichartig die sportliche Heimat zu nehmen. "Wenn sich eine Männermannschaft im Streit trennt,
dann wissen alle, was sie tun. Aber
die Kinder können doch nichts dafür",
so Pohle. Deshalb sagte der Vereinschef
umgehend Hilfe zu und nach einer
Telefonrunde mit den anderen Mitgliedern des Vorstands stand schon am Samstag nach dem Eklat fest, dass die Kinder bei Aufbau willkommen
sind. Für die Abteilung Fußball bei Aufbau könnte dies ein Neubeginn sein. Denn dort wurde schon seit Jahren keinerlei Nachwuchsarbeit mehr geleistet. "Die Abteilung
stand vor dem Auseinanderbrechen,. was jetzt
abgewendet ist. Weiterhin
stellte Pohle eilig drei Sätze
Dresse vom Handballnachwuchs zur Verfügung. "Es musste doch weitergehen,
aber die gesamte Ausrüstung liegt beim 1.FC." Thomas Wagner vom
1. FC Altenburg wies zwar alle
Vorwürfe zurück und nannte die Zahl
der Übergetretenen zu hoch. Eine genaue Mitgliederstärke teilte er aber auch nicht mit, sicherte
jedoch eine schriftliche Stellungnahme des Vereinsvorsitzenden zu den Problemen
zu. Dessen Namen verriet er jedoch nicht.
"Ich bin nur der Stellvertreter",
behauptete Wagner plötzlich.
Jörg
Wolf
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